Longevity-Forschung & Biochemie
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Zuletzt aktualisiert: 2026-07-10
NAD⁺: Biochemie, Alterung und der
NAD⁺-Metabolismus im Überblick
NAD⁺ (Nicotinamidadenindinukleotid) ist eines der zentralsten Moleküle
des Lebens — an über 500 enzymatischen Reaktionen beteiligt, essenziell
für Energiegewinnung, DNA-Reparatur und epigenetische Regulation. Und es
sinkt mit zunehmendem Alter um bis zu 50 %. Diese Seite erklärt, warum
das passiert, welche biologischen Konsequenzen es hat — und wie der
NAD⁺-Stoffwechsel funktioniert.
Eine wissenschaftliche Referenzseite zum NAD⁺-Metabolismus: Biochemie,
Enzymklassen, Synthesewege, Alterungsmechanismen und Einordnung der
Forschungslage — mit Quellenangaben.
Biochemie
Was ist NAD⁺? Struktur, Funktion und biologische Bedeutung
NAD⁺ (Nicotinamidadenindinukleotid) ist ein Dinukleotid — es besteht
aus zwei Nukleotiden (Nicotinamidmononukleotid und Adenosinmonophosphat),
die über eine Phosphodiesterbindung verbunden sind. Das ⁺-Zeichen im Namen
bezeichnet die oxidierte Form des Moleküls, in der das Nicotinamidringsystem
eine positive Ladung trägt und damit zur Aufnahme von Elektronen fähig ist.
NAD⁺ existiert in der Zelle in zwei Hauptformen: der oxidierten Form (NAD⁺)
und der reduzierten Form (NADH). Der Wechsel zwischen diesen Formen ist
der eigentliche Wirkmechanismus: NAD⁺ nimmt Elektronen (als Hydridion H⁻)
auf und wird zu NADH; NADH gibt diese Elektronen in der Atmungskette
ab und wird wieder zu NAD⁺ — ein kontinuierlicher Redoxzyklus, der die
mitochondriale ATP-Synthese antreibt.
Zwei Rollen: Redoxcoenzym und Signalmolekül
NAD⁺ übernimmt in der Zelle zwei fundamental verschiedene Rollen.
Als Redoxcoenzym transportiert es Elektronen zwischen Reaktionspartnern —
die klassische Lehrbuchrolle in Glykolyse, Citratzyklus und Atmungskette.
Als Signalsubstrat wird NAD⁺ von Enzymen wie Sirtuinen und PARPs
verbraucht und dabei in Nicotinamid und ADP-Ribose gespalten — ein
Prozess, der NAD⁺ als Signalmolekül für Genregulation, DNA-Reparatur
und Zellüberleben einsetzt. Diese zweite Rolle macht NAD⁺ zu einem
Schlüsselmolekül des biologischen Alterns: Je mehr DNA-Schäden auftreten
und je aktiver die Entzündungsregulation läuft, desto mehr NAD⁺ wird
als Signalsubstrat verbraucht — auf Kosten der Redoxfunktion.
NAD⁺ in Zahlen
Zur Einordnung der biologischen Bedeutung: Über 500 Enzyme benötigen
NAD⁺ oder NADH als Cofaktor. Der Körper eines Erwachsenen enthält
etwa 1–2 g NAD⁺ insgesamt — verteilt auf Milliarden von Zellen
mit sehr unterschiedlichen lokalen Konzentrationen. Die Halbwertszeit
von NAD⁺ in Zellen beträgt je nach Gewebe nur Stunden bis wenige Tage —
der Körper muss NAD⁺ kontinuierlich resynthetisieren. Pro Tag werden
schätzungsweise 400–600 mg NAD⁺ in einem 70-kg-Erwachsenen
umgesetzt — ein erheblicher Syntheseaufwand, der mit dem Alter
zunehmend an seine Grenzen stößt. Eine zugängliche Einführung in NAD⁺ — warum die Longevity-Forschung diesem Molekül so viel Aufmerksamkeit widmet und welche biologischen Prozesse daran hängen.

Unter NAD⁺ versteht man ein körpereigenes Coenzym, das für zahlreiche Prozesse der Zellenergie, Enzymaktivität und zellulären Erhaltung benötigt wird.
Alterung
Warum sinkt NAD⁺ mit dem Alter — und was passiert dann?
Der altersbedingte Rückgang des NAD⁺-Spiegels ist eines der am besten
dokumentierten molekularen Alterungsphänomene. Studien zeigen einen
Rückgang von bis zu 50 % zwischen dem 20. und 60. Lebensjahr —
in Blut, Muskelgewebe und Gehirn konsistent nachgewiesen. Die Ursachen
sind mehrdimensional und verstärken sich gegenseitig.
Ursache 1: Erhöhter PARP-Verbrauch durch DNA-Schäden
PARP-Enzyme (Poly(ADP-Ribose)-Polymerasen) sind die wichtigsten
DNA-Reparaturenzyme der Zelle — und ihre Aktivierung verbraucht NAD⁺
massiv. Mit zunehmendem Alter akkumulieren DNA-Schäden (durch ROS,
UV, Replikationsfehler), was die PARP-Aktivität chronisch erhöht.
Ein aktiver PARP-Komplex kann in kurzer Zeit Hunderte NAD⁺-Moleküle
verbrauchen. Dieser altersbedingt erhöhte "PARP-Stress" ist einer
der Haupttreiber des NAD⁺-Rückgangs.
Ursache 2: CD38-Proliferation durch Inflammaging
CD38 ist eine NAD⁺-Hydrolase — ein Enzym, das NAD⁺ direkt abbaut.
Es spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem und in der Kalziumsignalisierung.
Mit zunehmendem Alter nimmt CD38-Expression und -Aktivität messbar zu —
getrieben durch chronische niedriggradige Entzündung (Inflammaging).
Camacho-Pereira et al. (2016, Cell Metabolism) zeigten, dass die
altersbedingte NAD⁺-Abnahme in Mäusen maßgeblich durch erhöhte
CD38-Aktivität verursacht wird — und dass CD38-Hemmung den
NAD⁺-Spiegel im Alter normalisiert.
Ursache 3: Sinkende NAMPT-Aktivität
NAMPT (Nicotinamid-Phosphoribosyltransferase) ist das
geschwindigkeitsbestimmende Enzym des NAD⁺-Salvage-Pathways — des wichtigsten
NAD⁺-Synthesewegs. Mit dem Alter sinkt die NAMPT-Expression in vielen
Geweben, was die Synthesekapazität direkt begrenzt. Da NAMPT
magnesiumabhängig ist, verschärft ein verbreiteter Magnesiummangel
das Problem zusätzlich.
Was biologisch passiert, wenn NAD⁺ fällt
Die Konsequenzen sinkender NAD⁺-Spiegel sind systemisch und betreffen
mehrere Hallmarks of Aging gleichzeitig: Sirtuine verlieren Aktivität
(→ reduzierte mitochondriale Biogenese, langsamere DNA-Reparatur,
veränderte Genexpression). Mitochondrien werden ineffizienter
(→ weniger ATP, mehr ROS). DNA-Reparatursysteme sind überlastet
(→ akkumulierende genomische Schäden). Zelluläre Seneszenz nimmt zu.
Inflammaging verstärkt sich — was wiederum CD38 aktiviert und NAD⁺
weiter abbaut: ein selbstverstärkender Abwärtszyklus. Wie der NAD⁺-Abfall gleichzeitig mehrere Hallmarks of Aging antreibt — mitochondriale Dysfunktion, zelluläre Seneszenz und Inflammaging — erklärt dieser Grundlagenartikel.

Im Kontext des Alterns gilt NAD⁺ als wichtiges Schlüsselmolekül, weil sinkende Spiegel mit veränderten Prozessen der Zellfunktion und Regeneration verbunden werden.
Enzymklassen
Die NAD⁺-abhängigen Enzymklassen: Sirtuine, PARPs, CD38 und mehr
Um die biologische Bedeutung von NAD⁺ zu verstehen, lohnt sich ein
Blick auf die drei wichtigsten Enzymklassen, die NAD⁺ als Substrat
oder Cofaktor benötigen — und die im Kontext des Alterns am
relevantesten sind.
Sirtuine (SIRT1–SIRT7): Regulatoren des Lebens
Sirtuine sind NAD⁺-abhängige Protein-Deacetylasen und -Deacyllasen.
Für jede Reaktion verbrauchen sie ein Molekül NAD⁺, das dabei zu
Nicotinamid und O-Acetyl-ADP-Ribose gespalten wird. Die sieben
Sirtuine haben unterschiedliche zelluläre Lokalisation und Funktion:
SIRT1 (Zytoplasma/Kern)
PGC-1α (Mitochondrien), FOXO3 (Stressresistenz), p53 (Apoptose), NF-κB (Entzündung). Bekanntester Longevity-Regulator.
SIRT2 (Zytoplasma)
Tubulin-Deacetylierung, Zellzykluskontrolle, Gehirnalterung.
SIRT3 (Mitochondrien)
Mitochondriale Proteine, ATP-Synthese, ROS-Reduktion. Wichtigster mitochondrialer Sirtuin.
SIRT4 (Mitochondrien)
Glutaminstoffwechsel, Fettsäureoxidation, Insulin-Signaling.
SIRT5 (Mitochondrien)
Harnstoffzyklus, Ammoniakentgiftung, Fettsäureoxidation.
SIRT6 (Kern)
Telomerwartung, DNA-Doppelstrangreparatur, Histondeacetylierung. Wichtig für genomische Stabilität.
SIRT7 (Nucleolus)
rRNA-Synthese, Stressantwort, Fibrose-Regulation.
PARP-Familie (Kern)
17 PARP-Enzyme für DNA-Einzelstrang- und Doppelstrangreparatur. Größte NAD⁺-Verbraucher bei DNA-Schaden.
CD38: Der NAD⁺-Killer
CD38 ist eine multifunktionale Ektoenzyme, die NAD⁺ zu Cyclo-ADP-Ribose
(cADPR) und ADPR hydrolysiert — beides Signalmoleküle für die intrazelluläre
Kalziumregulation. CD38 ist damit kein "Abfallenzym", sondern biologisch
sinnvoll — im Übermaß jedoch einer der destruktivsten NAD⁺-Verbraucher.
Ein CD38-Molekül kann pro Stunde viele Hundert NAD⁺-Moleküle abbauen —
mit einem Verhältnis von etwa 100 verbrauchten NAD⁺-Molekülen pro
produziertem cADPR-Molekül. Die altersbedingte CD38-Proliferation erklärt
einen erheblichen Teil des NAD⁺-Rückgangs. Wie Inflammaging CD38 aktiviert und dadurch den NAD⁺-Abfall weiter beschleunigt — der biochemische Teufelskreis zwischen stiller Entzündung und NAD⁺-Mangel erklärt.

Im Kontext des Zellstoffwechsels spielen Sirtuine und PARPs eine wichtige Rolle, weil sie NAD⁺ verbrauchen und an Reparatur- sowie Anpassungsprozessen beteiligt sind.
Vorläufer im Vergleich
NAD⁺, NADH, NMN, NR und Niacin: Was ist der Unterschied?
Im NAD⁺-Ökosystem kursieren mehrere Moleküle, die häufig verwechselt
oder gleichgesetzt werden. Die biochemischen Unterschiede sind für
das Verständnis von Supplementierungsstrategien entscheidend.
Der NAD⁺-Salvage-Pathway: Der wichtigste Syntheseweg
Start
Nicotinamid (NAM)
Entsteht als Nebenprodukt jeder Sirtuin- und PARP-Reaktion. Wird im Salvage-Pathway wiederverwertet.
↓ NAMPT (geschwindigkeitsbestimmend)
NMN
Nicotinamidmononukleotid
Direkter NAD⁺-Vorläufer. Wird über Slc12a8-Transporter direkt in Zellen aufgenommen oder extrazellulär zu NR dephosphoryliert.
↓ NMNAT1/2/3
Ziel
NAD⁺
Das aktive Coenzym. Bereit für Sirtuin-, PARP- und Redoxfunktionen.
NMN vs. NR: Wo liegt der Unterschied?
NR (Nicotinamidribosid) ist ein weiter vorgelagerter Vorläufer: Es wird
zunächst zu NMN (Nicotinamidmononukleotid) phosphoryliert (durch NRK1/2-Kinasen) und dann zu NAD⁺.
NMN ist ein Schritt direkter im Pathway. Die Frage, ob NMN oder NR
die bessere Bioverfügbarkeit hat, war lange diskutiert. Aktuelle Daten
— insbesondere der Nachweis des Slc12a8-Transporters für direkten
NMN-Transport in Darmzellen (Grozio et al., 2019, Nature Metabolism) —
sprechen für eine direkte intestinale Aufnahme von NMN. Humanstudien
zeigen für beide Vorläufer messbare NAD⁺-Erhöhungen im Blut und Gewebe.
Der praktische Unterschied in der Wirksamkeit ist bei modernen Formulierungen
gering; die Datenlage zu NMN ist insgesamt robuster. Den vollständigen wissenschaftlichen Vergleich zwischen NMN, NR und Niacin — Bioverfügbarkeit, Mechanismen und Studienlage — findest du in diesem Artikel.
Niacin: Der älteste Vorläufer
Niacin (Vitamin B3, als Nicotinsäure oder Niacinamid) ist der älteste
bekannte NAD⁺-Vorläufer und speist NAD⁺ über den Preiss-Handler-Pathway
(Nicotinsäure) bzw. den Salvage-Pathway (Niacinamid). Hochdosiertes
Niacin (als Nicotinsäure) ist die einzige NAD⁺-bezogene Substanz mit
starker klinischer Evidenz für kardiovaskuläre Effekte — hat aber den
bekannten Flush-Nebeneffekt. Niacinamid (Nicotinamid) hat keinen Flush,
kann aber in hohen Dosen SIRT1 hemmen — ein Unterschied, der für
Longevity-Anwendungen relevant ist. NMN umgeht dieses Problem vollständig.
NADH vs. NAD⁺: Nicht dasselbe
NADH ist die reduzierte, energiereiche Form von NAD⁺ — es trägt Elektronen
für die Atmungskette. Das zelluläre NAD⁺/NADH-Verhältnis ist ein
wichtiger Sensor für den metabolischen Zustand: Ein hohes NAD⁺/NADH-Verhältnis
signalisiert "Energie knapp" und aktiviert Sirtuin- und AMPK-Signalings.
NADH als Supplement einzunehmen adressiert nicht denselben Mechanismus
wie NAD⁺-Vorläufer — es ist kein gleichwertiger Ersatz für NMN im
Kontext von Sirtuin-Aktivierung und Longevity.

Der Vergleich von NAD⁺-Vorläufern hilft dabei, Unterschiede in biochemischer Einordnung, Stoffwechselweg und Anwendungslogik besser zu verstehen.
Humanforschung
Was die Humanforschung zu NMN zeigt: Studienlage 2024
Die NAD⁺-Forschung hat sich in den letzten Jahren von präklinischer
Grundlagenforschung zu ersten kontrollierten Humanstudien entwickelt.
Der Stand 2024 ist konsistent positiv für Sicherheit und Bioverfügbarkeit —
mit wachsenden, aber noch nicht abgeschlossenen Daten zu spezifischen
klinischen Endpunkten.
Bioverfügbarkeit und NAD⁺-Erhöhung: Klar belegt
Mehrere Humanstudien zeigen konsistent, dass oral eingenommenes NMN
die NAD⁺-Spiegel im Blut und in Geweben messbar erhöht. Igarashi et al.
(2022, NPJ Aging) dokumentierten in einer randomisierten Humanstudie
(n=30, 60–79 Jahre), dass NMN-Supplementierung (250 mg/Tag, 12 Wochen)
NAD⁺-Spiegel im Blut signifikant erhöhte und mit verbesserter
Gehgeschwindigkeit assoziiert war — ein funktioneller Altersmarker.
Muskuläre Insulinsensitivität: Yoshino et al. (2021)
Yoshino et al. (2021, Science) zeigten in einer randomisierten,
doppelblinden Placebo-kontrollierten Studie mit prädiabetischen Frauen
(postmenopausal, n=25), dass NMN (300 mg/Tag, 10 Wochen) die muskuläre
Insulinsensitivität verbesserte und die Expression von NAD⁺-abhängigen
Genen im Muskelgewebe hochregulierte. Keine signifikanten Unterschiede
bei systemischen Entzündungsmarkern oder Körperzusammensetzung —
die Effekte waren gewebe- und dosierungsspezifisch.
Sicherheit: Durchgehend positiv
Alle bisherigen Humanstudien berichten exzellente Verträglichkeit von
NMN-Dosen zwischen 100 und 1200 mg täglich — ohne klinisch relevante
unerwünschte Wirkungen. Irie et al. (2020, Endocrine Journal) zeigten
in einer Phase-1-Studie, dass eine Einzeldosis von 100–500 mg NMN
sicher und gut verträglich ist und innerhalb von 5–10 Minuten NAD⁺-Metaboliten
im Blut messbar erhöht.
Ehrliche Einordnung
Die mechanistische Grundlage für NMN ist stark — NAD⁺-Abfall im Alter
ist gut dokumentiert, die Enzymbiologie der Sirtuine und PARPs ist
verstanden, und die Bioverfügbarkeit von NMN ist in Humanstudien belegt.
Was noch fehlt: robuste Langzeitstudien am Menschen (>1 Jahr) mit
harten Endpunkten wie Mortalität, Demenz-Inzidenz oder spezifischen
Funktionsverbesserungen. Die Forschung entwickelt sich schnell —
mehrere Phase-2- und Phase-3-Studien sind laufend. Eine vollständige Einordnung der NMN-Studienlage zwischen Hype und belastbarer Evidenz — mit Bewertung der wichtigsten Humanstudien.

Die bisherige Humanforschung zu NMN liefert vor allem Erkenntnisse zu Sicherheit, NAD⁺-Dynamik und ersten funktionellen Signalen.
Langzeitstrategie
Warum NAD⁺-Supplementierung eine Langzeitstrategie ist
NAD⁺-Supplementierung ist keine Sofortlösung — sie ist biochemisch
als kontinuierliche Strategie konzipiert. Das Verständnis warum,
macht die Entscheidung für einen Langzeit-Vorrat biologisch sinnvoll,
nicht marketinggetrieben.
Kein Speicher, kontinuierlicher Verbrauch
NAD⁺ kann vom Körper nicht in relevanten Mengen gespeichert werden —
anders als Fettlösliche Vitamine, die in Fettgewebe akkumulieren.
Die zelluläre NAD⁺-Halbwertszeit beträgt je nach Gewebe nur Stunden
bis wenige Tage. Jede Sirtuin- und PARP-Aktivierung verbraucht NAD⁺
unwiderruflich — es muss kontinuierlich resynthetisiert werden.
Eine kurzfristige NMN-Supplementierung über wenige Wochen erhöht
die NAD⁺-Spiegel während der Einnahme — aber ohne konsequente
Fortsetzung sinken sie wieder auf das Ausgangsniveau.
Biologische Effekte brauchen Zeit
Die relevanten biologischen Effekte einer NAD⁺-Optimierung —
verbesserte mitochondriale Dichte, gestärkte DNA-Reparaturkapazität,
epigenetische Normalisierung durch Sirtuin-Aktivierung — sind keine
akuten Reaktionen. Sie entstehen durch kontinuierliche NAD⁺-Verfügbarkeit
über Wochen und Monate, die die entsprechenden Genexpressionsprogramme
und zellulären Umbauprozesse ermöglicht. Yoshino et al. (2021) zeigten
muskuläre Effekte nach 10 Wochen; Igarashi et al. (2022) nach 12 Wochen.
Kürzere Zeiträume zeigen konsistente NAD⁺-Erhöhung, aber begrenztere
Gewebeeffekte.
Praktische Empfehlung: Warum ein 3er-Vorrat Sinn macht
Aus diesen biologischen Grundlagen ergibt sich eine praktische Logik:
Eine konsequente NMN-Supplementierung über mindestens 3 Monate ist
der Zeitraum, in dem klinische Studien konsistente Gewebeeffekte
beobachten. Ein 3-Monats-Vorrat vereinfacht die Routine, vermeidet
Unterbrechungen durch Nachbestellungspausen — die biologisch ungünstig
sind — und ist wirtschaftlich effizienter. Kontinuität ist bei
NAD⁺-Supplementierung keine Komfortfrage, sondern eine biochemische
Anforderung.
NMN + TMG: Die biochemisch sinnvolle Kombination
Der NAD⁺-Salvage-Pathway verbraucht Methylgruppen — insbesondere über
den NNMT-Enzymweg (Nicotinamid-N-Methyltransferase), der überschüssiges
Nicotinamid methyliert und so aus dem Kreislauf entfernt. Bei intensiver
NMN-Supplementierung kann dieser Methylgruppenverbrauch messbar sein.
TMG (Trimethylglycin) als direkter Methylgruppenspender kompensiert
diesen Bedarf und sichert die Methylierungsbalance ab. Die Kombination
NMN + TMG ist damit nicht optional, sondern biochemisch konsistent
begründet. Warum NMN + TMG + Ca-AKG als biochemisches System stärker ist als jeder Wirkstoff allein — die Synergielogik des Longevity-Trios erklärt.

Eine überzeugende Langzeitstrategie verbindet Lebensstil, Regeneration und gezielte Maßnahmen zu einem Ansatz, der auf Stabilität statt auf kurzfristige Effekte setzt.
FAQ
Häufige Fragen zu NAD⁺ und NMN
Was ist NAD⁺ und wozu braucht der Körper es?
NAD⁺ ist ein Coenzym, das in jeder menschlichen Zelle vorkommt und an
über 500 enzymatischen Reaktionen beteiligt ist — Energiegewinnung,
DNA-Reparatur durch PARPs, Genregulation durch Sirtuine und
Kalziumsignalisierung durch CD38. Ohne ausreichend NAD⁺ arbeiten
alle diese Systeme suboptimal.
Warum sinkt NAD⁺ mit dem Alter?
Drei parallele Mechanismen: erhöhter PARP-Verbrauch durch akkumulierende
DNA-Schäden, altersbedingte CD38-Proliferation durch Inflammaging, und
sinkende NAMPT-Aktivität im Salvage-Pathway. Das Ergebnis ist ein
Rückgang von bis zu 50 % zwischen dem 20. und 60. Lebensjahr —
in Blut, Muskel und Gehirn konsistent dokumentiert.
Was ist der Unterschied zwischen NAD⁺, NADH, NMN und NR?
NAD⁺ ist die oxidierte, biologisch aktive Form. NADH ist die reduzierte
Form nach Elektronenübertragung. NMN ist der direkteste NAD⁺-Vorläufer
im Salvage-Pathway. NR ist ein vorgelagerter Vorläufer, der erst zu NMN
und dann zu NAD⁺ wird. Niacin ist der älteste bekannte Vorläufer mit
anderen Nebenwirkungsprofilen.
Was sind Sirtuine und warum hängen sie von NAD⁺ ab?
Sirtuine (SIRT1–SIRT7) sind Protein-Deacetylasen, die für jede Reaktion
ein Molekül NAD⁺ als Substrat verbrauchen. SIRT1 reguliert mitochondriale
Biogenese, DNA-Reparatur und Entzündungsregulation. SIRT3 schützt Mitochondrien.
SIRT6 ist an Telomerwartung beteiligt. Sinkende NAD⁺-Spiegel bedeuten
direkt sinkende Sirtuin-Aktivität.
Was ist NAMPT und warum ist es wichtig?
NAMPT ist das geschwindigkeitsbestimmende Enzym des NAD⁺-Salvage-Pathways —
über 80 % des zellulären NAD⁺ werden über diesen Weg synthetisiert.
Die NAMPT-Aktivität sinkt mit dem Alter und begrenzt die NAD⁺-Synthesekapazität
direkt. NAMPT ist magnesiumabhängig — Magnesiummangel limitiert NAD⁺-Synthese
zusätzlich.
Warum ist NMN-Supplementierung eine Langzeitstrategie?
NAD⁺ hat keine relevanten Körperspeicher — es wird kontinuierlich verbraucht
und muss kontinuierlich resynthetisiert werden. Klinisch relevante Effekte
auf Gewebefunktionen erfordern konsequente Einnahme über 10–12 Wochen,
wie in Humanstudien gezeigt. Unterbrechungen führen zum Rückfall auf das
Ausgangsniveau — Kontinuität ist biochemisch notwendig, nicht optional.
Quellen
Zitierte Studien und Literatur
Yoshino J. et al. (2021). Nicotinamide mononucleotide increases muscle
insulin sensitivity in prediabetic women.
Science, 372(6547), 1224–1229.
doi.org/10.1126/science.abe9985
Igarashi M. et al. (2022). Chronic nicotinamide mononucleotide
supplementation elevates blood nicotinamide adenine dinucleotide levels
and alters muscle function in healthy older men.
NPJ Aging, 8(1), 5.
doi.org/10.1038/s41514-022-00084-z
Irie J. et al. (2020). Effect of oral administration of nicotinamide
mononucleotide on clinical parameters and nicotinamide metabolite levels
in healthy Japanese men.
Endocrine Journal, 67(2), 153–160.
doi.org/10.1507/endocrj.EJ19-0313
Grozio A. et al. (2019). Slc12a8 is a nicotinamide mononucleotide
transporter. Nature Metabolism, 1(1), 47–57.
doi.org/10.1038/s42255-018-0009-4
Camacho-Pereira J. et al. (2016). CD38 dictates age-related NAD decline
and mitochondrial dysfunction through an SIRT3-dependent mechanism.
Cell Metabolism, 23(6), 1127–1139.
doi.org/10.1016/j.cmet.2016.05.006
Rajman L. et al. (2018). Therapeutic potential of NAD-boosting molecules:
the in vivo evidence. Cell Metabolism, 27(3), 529–547.
doi.org/10.1016/j.cmet.2018.02.011
Zhu X.H. et al. (2015). In vivo NAD assay reveals the intracellular
NAD contents and metabolic network in the healthy rat brain during aging.
PNAS, 112(9), 2876–2881.
doi.org/10.1073/pnas.1417921112