Longevity-Forschung & Biochemie · ca. 12 Minuten Lesezeit · Zuletzt aktualisiert: 2026-04-25

NAD⁺: Biochemie, Alterung und der
NAD⁺-Metabolismus im Überblick

NAD⁺ (Nicotinamidadenindinukleotid) ist eines der zentralsten Moleküle des Lebens — an über 500 enzymatischen Reaktionen beteiligt, essenziell für Energiegewinnung, DNA-Reparatur und epigenetische Regulation. Und es sinkt mit zunehmendem Alter um bis zu 50 %. Diese Seite erklärt, warum das passiert, welche biologischen Konsequenzen es hat — und wie der NAD⁺-Stoffwechsel funktioniert.

Eine wissenschaftliche Referenzseite zum NAD⁺-Metabolismus: Biochemie, Enzymklassen, Synthesewege, Alterungsmechanismen und Einordnung der Forschungslage — mit Quellenangaben.

Biochemie

Was ist NAD⁺? Struktur, Funktion und biologische Bedeutung

NAD⁺ (Nicotinamidadenindinukleotid) ist ein Dinukleotid — es besteht aus zwei Nukleotiden (Nicotinamidmononukleotid und Adenosinmonophosphat), die über eine Phosphodiesterbindung verbunden sind. Das ⁺-Zeichen im Namen bezeichnet die oxidierte Form des Moleküls, in der das Nicotinamidringsystem eine positive Ladung trägt und damit zur Aufnahme von Elektronen fähig ist.

NAD⁺ existiert in der Zelle in zwei Hauptformen: der oxidierten Form (NAD⁺) und der reduzierten Form (NADH). Der Wechsel zwischen diesen Formen ist der eigentliche Wirkmechanismus: NAD⁺ nimmt Elektronen (als Hydridion H⁻) auf und wird zu NADH; NADH gibt diese Elektronen in der Atmungskette ab und wird wieder zu NAD⁺ — ein kontinuierlicher Redoxzyklus, der die mitochondriale ATP-Synthese antreibt.

Zwei Rollen: Redoxcoenzym und Signalmolekül

NAD⁺ übernimmt in der Zelle zwei fundamental verschiedene Rollen. Als Redoxcoenzym transportiert es Elektronen zwischen Reaktionspartnern — die klassische Lehrbuchrolle in Glykolyse, Citratzyklus und Atmungskette. Als Signalsubstrat wird NAD⁺ von Enzymen wie Sirtuinen und PARPs verbraucht und dabei in Nicotinamid und ADP-Ribose gespalten — ein Prozess, der NAD⁺ als Signalmolekül für Genregulation, DNA-Reparatur und Zellüberleben einsetzt. Diese zweite Rolle macht NAD⁺ zu einem Schlüsselmolekül des biologischen Alterns: Je mehr DNA-Schäden auftreten und je aktiver die Entzündungsregulation läuft, desto mehr NAD⁺ wird als Signalsubstrat verbraucht — auf Kosten der Redoxfunktion.

NAD⁺ in Zahlen

Zur Einordnung der biologischen Bedeutung: Über 500 Enzyme benötigen NAD⁺ oder NADH als Cofaktor. Der Körper eines Erwachsenen enthält etwa 1–2 g NAD⁺ insgesamt — verteilt auf Milliarden von Zellen mit sehr unterschiedlichen lokalen Konzentrationen. Die Halbwertszeit von NAD⁺ in Zellen beträgt je nach Gewebe nur Stunden bis wenige Tage — der Körper muss NAD⁺ kontinuierlich resynthetisieren. Pro Tag werden schätzungsweise 400–600 mg NAD⁺ in einem 70-kg-Erwachsenen umgesetzt — ein erheblicher Syntheseaufwand, der mit dem Alter zunehmend an seine Grenzen stößt.

Unter NAD⁺ versteht man ein körpereigenes Coenzym, das für zahlreiche Prozesse der Zellenergie, Enzymaktivität und zellulären Erhaltung benötigt wird.

Unter NAD⁺ versteht man ein körpereigenes Coenzym, das für zahlreiche Prozesse der Zellenergie, Enzymaktivität und zellulären Erhaltung benötigt wird.

Alterung

Warum sinkt NAD⁺ mit dem Alter — und was passiert dann?

Der altersbedingte Rückgang des NAD⁺-Spiegels ist eines der am besten dokumentierten molekularen Alterungsphänomene. Studien zeigen einen Rückgang von bis zu 50 % zwischen dem 20. und 60. Lebensjahr — in Blut, Muskelgewebe und Gehirn konsistent nachgewiesen. Die Ursachen sind mehrdimensional und verstärken sich gegenseitig.

Ursache 1: Erhöhter PARP-Verbrauch durch DNA-Schäden

PARP-Enzyme (Poly(ADP-Ribose)-Polymerasen) sind die wichtigsten DNA-Reparaturenzyme der Zelle — und ihre Aktivierung verbraucht NAD⁺ massiv. Mit zunehmendem Alter akkumulieren DNA-Schäden (durch ROS, UV, Replikationsfehler), was die PARP-Aktivität chronisch erhöht. Ein aktiver PARP-Komplex kann in kurzer Zeit Hunderte NAD⁺-Moleküle verbrauchen. Dieser altersbedingt erhöhte "PARP-Stress" ist einer der Haupttreiber des NAD⁺-Rückgangs.

Ursache 2: CD38-Proliferation durch Inflammaging

CD38 ist eine NAD⁺-Hydrolase — ein Enzym, das NAD⁺ direkt abbaut. Es spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem und in der Kalziumsignalisierung. Mit zunehmendem Alter nimmt CD38-Expression und -Aktivität messbar zu — getrieben durch chronische niedriggradige Entzündung (Inflammaging). Camacho-Pereira et al. (2016, Cell Metabolism) zeigten, dass die altersbedingte NAD⁺-Abnahme in Mäusen maßgeblich durch erhöhte CD38-Aktivität verursacht wird — und dass CD38-Hemmung den NAD⁺-Spiegel im Alter normalisiert.

Ursache 3: Sinkende NAMPT-Aktivität

NAMPT (Nicotinamid-Phosphoribosyltransferase) ist das geschwindigkeitsbestimmende Enzym des Salvage-Pathways — des wichtigsten NAD⁺-Synthesewegs. Mit dem Alter sinkt die NAMPT-Expression in vielen Geweben, was die Synthesekapazität direkt begrenzt. Da NAMPT magnesiumabhängig ist, verschärft ein verbreiteter Magnesiummangel das Problem zusätzlich.

Was biologisch passiert, wenn NAD⁺ fällt

Die Konsequenzen sinkender NAD⁺-Spiegel sind systemisch und betreffen mehrere Hallmarks of Aging gleichzeitig: Sirtuine verlieren Aktivität (→ reduzierte mitochondriale Biogenese, langsamere DNA-Reparatur, veränderte Genexpression). Mitochondrien werden ineffizienter (→ weniger ATP, mehr ROS). DNA-Reparatursysteme sind überlastet (→ akkumulierende genomische Schäden). Zelluläre Seneszenz nimmt zu. Inflammaging verstärkt sich — was wiederum CD38 aktiviert und NAD⁺ weiter abbaut: ein selbstverstärkender Abwärtszyklus.

Im Kontext des Alterns gilt NAD⁺ als wichtiges Schlüsselmolekül, weil sinkende Spiegel mit veränderten Prozessen der Zellfunktion und Regeneration verbunden werden.

Im Kontext des Alterns gilt NAD⁺ als wichtiges Schlüsselmolekül, weil sinkende Spiegel mit veränderten Prozessen der Zellfunktion und Regeneration verbunden werden.

Enzymklassen

Die NAD⁺-abhängigen Enzymklassen: Sirtuine, PARPs, CD38 und mehr

Um die biologische Bedeutung von NAD⁺ zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die drei wichtigsten Enzymklassen, die NAD⁺ als Substrat oder Cofaktor benötigen — und die im Kontext des Alterns am relevantesten sind.

Sirtuine (SIRT1–SIRT7): Regulatoren des Lebens

Sirtuine sind NAD⁺-abhängige Protein-Deacetylasen und -Deacyllasen. Für jede Reaktion verbrauchen sie ein Molekül NAD⁺, das dabei zu Nicotinamid und O-Acetyl-ADP-Ribose gespalten wird. Die sieben Sirtuine haben unterschiedliche zelluläre Lokalisation und Funktion:

SIRT1 (Zytoplasma/Kern) PGC-1α (Mitochondrien), FOXO3 (Stressresistenz), p53 (Apoptose), NF-κB (Entzündung). Bekanntester Longevity-Regulator.
SIRT2 (Zytoplasma) Tubulin-Deacetylierung, Zellzykluskontrolle, Gehirnalterung.
SIRT3 (Mitochondrien) Mitochondriale Proteine, ATP-Synthese, ROS-Reduktion. Wichtigster mitochondrialer Sirtuin.
SIRT4 (Mitochondrien) Glutaminstoffwechsel, Fettsäureoxidation, Insulin-Signaling.
SIRT5 (Mitochondrien) Harnstoffzyklus, Ammoniakentgiftung, Fettsäureoxidation.
SIRT6 (Kern) Telomerwartung, DNA-Doppelstrangreparatur, Histondeacetylierung. Wichtig für genomische Stabilität.
SIRT7 (Nucleolus) rRNA-Synthese, Stressantwort, Fibrose-Regulation.
PARP-Familie (Kern) 17 PARP-Enzyme für DNA-Einzelstrang- und Doppelstrangreparatur. Größte NAD⁺-Verbraucher bei DNA-Schaden.

CD38: Der NAD⁺-Killer

CD38 ist eine multifunktionale Ektoenzyme, die NAD⁺ zu Cyclo-ADP-Ribose (cADPR) und ADPR hydrolysiert — beides Signalmoleküle für die intrazelluläre Kalziumregulation. CD38 ist damit kein "Abfallenzym", sondern biologisch sinnvoll — im Übermaß jedoch einer der destruktivsten NAD⁺-Verbraucher. Ein CD38-Molekül kann pro Stunde viele Hundert NAD⁺-Moleküle abbauen — mit einem Verhältnis von etwa 100 verbrauchten NAD⁺-Molekülen pro produziertem cADPR-Molekül. Die altersbedingte CD38-Proliferation erklärt einen erheblichen Teil des NAD⁺-Rückgangs.

Im Kontext des Zellstoffwechsels spielen Sirtuine und PARPs eine wichtige Rolle, weil sie NAD⁺ verbrauchen und an Reparatur- sowie Anpassungsprozessen beteiligt sind.

Im Kontext des Zellstoffwechsels spielen Sirtuine und PARPs eine wichtige Rolle, weil sie NAD⁺ verbrauchen und an Reparatur- sowie Anpassungsprozessen beteiligt sind.

Vorläufer im Vergleich

NAD⁺, NADH, NMN, NR und Niacin: Was ist der Unterschied?

Im NAD⁺-Ökosystem kursieren mehrere Moleküle, die häufig verwechselt oder gleichgesetzt werden. Die biochemischen Unterschiede sind für das Verständnis von Supplementierungsstrategien entscheidend.

Der NAD⁺-Salvage-Pathway: Der wichtigste Syntheseweg

Start
Nicotinamid (NAM) Entsteht als Nebenprodukt jeder Sirtuin- und PARP-Reaktion. Wird im Salvage-Pathway wiederverwertet.
↓ NAMPT (geschwindigkeitsbestimmend)
NMN
Nicotinamidmononukleotid Direkter NAD⁺-Vorläufer. Wird über Slc12a8-Transporter direkt in Zellen aufgenommen oder extrazellulär zu NR dephosphoryliert.
↓ NMNAT1/2/3
Ziel
NAD⁺ Das aktive Coenzym. Bereit für Sirtuin-, PARP- und Redoxfunktionen.

NMN vs. NR: Wo liegt der Unterschied?

NR (Nicotinamidribosid) ist ein weiter vorgelagerter Vorläufer: Es wird zunächst zu NMN phosphoryliert (durch NRK1/2-Kinasen) und dann zu NAD⁺. NMN ist ein Schritt direkter im Pathway. Die Frage, ob NMN oder NR die bessere Bioverfügbarkeit hat, war lange diskutiert. Aktuelle Daten — insbesondere der Nachweis des Slc12a8-Transporters für direkten NMN-Transport in Darmzellen (Grozio et al., 2019, Nature Metabolism) — sprechen für eine direkte intestinale Aufnahme von NMN. Humanstudien zeigen für beide Vorläufer messbare NAD⁺-Erhöhungen im Blut und Gewebe. Der praktische Unterschied in der Wirksamkeit ist bei modernen Formulierungen gering; die Datenlage zu NMN ist insgesamt robuster.

Niacin: Der älteste Vorläufer

Niacin (Vitamin B3, als Nicotinsäure oder Niacinamid) ist der älteste bekannte NAD⁺-Vorläufer und speist NAD⁺ über den Preiss-Handler-Pathway (Nicotinsäure) bzw. den Salvage-Pathway (Niacinamid). Hochdosiertes Niacin (als Nicotinsäure) ist die einzige NAD⁺-bezogene Substanz mit starker klinischer Evidenz für kardiovaskuläre Effekte — hat aber den bekannten Flush-Nebeneffekt. Niacinamid (Nicotinamid) hat keinen Flush, kann aber in hohen Dosen SIRT1 hemmen — ein Unterschied, der für Longevity-Anwendungen relevant ist. NMN umgeht dieses Problem vollständig.

NADH vs. NAD⁺: Nicht dasselbe

NADH ist die reduzierte, energiereiche Form von NAD⁺ — es trägt Elektronen für die Atmungskette. Das zelluläre NAD⁺/NADH-Verhältnis ist ein wichtiger Sensor für den metabolischen Zustand: Ein hohes NAD⁺/NADH-Verhältnis signalisiert "Energie knapp" und aktiviert Sirtuin- und AMPK-Signalings. NADH als Supplement einzunehmen adressiert nicht denselben Mechanismus wie NAD⁺-Vorläufer — es ist kein gleichwertiger Ersatz für NMN im Kontext von Sirtuin-Aktivierung und Longevity.

Der Vergleich von NAD⁺-Vorläufern hilft dabei, Unterschiede in biochemischer Einordnung, Stoffwechselweg und Anwendungslogik besser zu verstehen.

Der Vergleich von NAD⁺-Vorläufern hilft dabei, Unterschiede in biochemischer Einordnung, Stoffwechselweg und Anwendungslogik besser zu verstehen.

Humanforschung

Was die Humanforschung zu NMN zeigt: Studienlage 2024

Die NAD⁺-Forschung hat sich in den letzten Jahren von präklinischer Grundlagenforschung zu ersten kontrollierten Humanstudien entwickelt. Der Stand 2024 ist konsistent positiv für Sicherheit und Bioverfügbarkeit — mit wachsenden, aber noch nicht abgeschlossenen Daten zu spezifischen klinischen Endpunkten.

Bioverfügbarkeit und NAD⁺-Erhöhung: Klar belegt

Mehrere Humanstudien zeigen konsistent, dass oral eingenommenes NMN die NAD⁺-Spiegel im Blut und in Geweben messbar erhöht. Igarashi et al. (2022, NPJ Aging) dokumentierten in einer randomisierten Humanstudie (n=30, 60–79 Jahre), dass NMN-Supplementierung (250 mg/Tag, 12 Wochen) NAD⁺-Spiegel im Blut signifikant erhöhte und mit verbesserter Gehgeschwindigkeit assoziiert war — ein funktioneller Altersmarker.

Muskuläre Insulinsensitivität: Yoshino et al. (2021)

Yoshino et al. (2021, Science) zeigten in einer randomisierten, doppelblinden Placebo-kontrollierten Studie mit prädiabetischen Frauen (postmenopausal, n=25), dass NMN (300 mg/Tag, 10 Wochen) die muskuläre Insulinsensitivität verbesserte und die Expression von NAD⁺-abhängigen Genen im Muskelgewebe hochregulierte. Keine signifikanten Unterschiede bei systemischen Entzündungsmarkern oder Körperzusammensetzung — die Effekte waren gewebe- und dosierungsspezifisch.

Sicherheit: Durchgehend positiv

Alle bisherigen Humanstudien berichten exzellente Verträglichkeit von NMN-Dosen zwischen 100 und 1200 mg täglich — ohne klinisch relevante unerwünschte Wirkungen. Irie et al. (2020, Endocrine Journal) zeigten in einer Phase-1-Studie, dass eine Einzeldosis von 100–500 mg NMN sicher und gut verträglich ist und innerhalb von 5–10 Minuten NAD⁺-Metaboliten im Blut messbar erhöht.

Ehrliche Einordnung

Die mechanistische Grundlage für NMN ist stark — NAD⁺-Abfall im Alter ist gut dokumentiert, die Enzymbiologie der Sirtuine und PARPs ist verstanden, und die Bioverfügbarkeit von NMN ist in Humanstudien belegt. Was noch fehlt: robuste Langzeitstudien am Menschen (>1 Jahr) mit harten Endpunkten wie Mortalität, Demenz-Inzidenz oder spezifischen Funktionsverbesserungen. Die Forschung entwickelt sich schnell — mehrere Phase-2- und Phase-3-Studien sind laufend.

Die bisherige Humanforschung zu NMN liefert vor allem Erkenntnisse zu Sicherheit, NAD⁺-Dynamik und ersten funktionellen Signalen.

Die bisherige Humanforschung zu NMN liefert vor allem Erkenntnisse zu Sicherheit, NAD⁺-Dynamik und ersten funktionellen Signalen.

Langzeitstrategie

Warum NAD⁺-Supplementierung eine Langzeitstrategie ist

NAD⁺-Supplementierung ist keine Sofortlösung — sie ist biochemisch als kontinuierliche Strategie konzipiert. Das Verständnis warum, macht die Entscheidung für einen Langzeit-Vorrat biologisch sinnvoll, nicht marketinggetrieben.

Kein Speicher, kontinuierlicher Verbrauch

NAD⁺ kann vom Körper nicht in relevanten Mengen gespeichert werden — anders als Fettlösliche Vitamine, die in Fettgewebe akkumulieren. Die zelluläre NAD⁺-Halbwertszeit beträgt je nach Gewebe nur Stunden bis wenige Tage. Jede Sirtuin- und PARP-Aktivierung verbraucht NAD⁺ unwiderruflich — es muss kontinuierlich resynthetisiert werden. Eine kurzfristige NMN-Supplementierung über wenige Wochen erhöht die NAD⁺-Spiegel während der Einnahme — aber ohne konsequente Fortsetzung sinken sie wieder auf das Ausgangsniveau.

Biologische Effekte brauchen Zeit

Die relevanten biologischen Effekte einer NAD⁺-Optimierung — verbesserte mitochondriale Dichte, gestärkte DNA-Reparaturkapazität, epigenetische Normalisierung durch Sirtuin-Aktivierung — sind keine akuten Reaktionen. Sie entstehen durch kontinuierliche NAD⁺-Verfügbarkeit über Wochen und Monate, die die entsprechenden Genexpressionsprogramme und zellulären Umbauprozesse ermöglicht. Yoshino et al. (2021) zeigten muskuläre Effekte nach 10 Wochen; Igarashi et al. (2022) nach 12 Wochen. Kürzere Zeiträume zeigen konsistente NAD⁺-Erhöhung, aber begrenztere Gewebeeffekte.

Praktische Empfehlung: Warum ein 3er-Vorrat Sinn macht

Aus diesen biologischen Grundlagen ergibt sich eine praktische Logik: Eine konsequente NMN-Supplementierung über mindestens 3 Monate ist der Zeitraum, in dem klinische Studien konsistente Gewebeeffekte beobachten. Ein 3-Monats-Vorrat vereinfacht die Routine, vermeidet Unterbrechungen durch Nachbestellungspausen — die biologisch ungünstig sind — und ist wirtschaftlich effizienter. Kontinuität ist bei NAD⁺-Supplementierung keine Komfortfrage, sondern eine biochemische Anforderung.

NMN + TMG: Die biochemisch sinnvolle Kombination

Der NAD⁺-Salvage-Pathway verbraucht Methylgruppen — insbesondere über den NNMT-Enzymweg (Nicotinamid-N-Methyltransferase), der überschüssiges Nicotinamid methyliert und so aus dem Kreislauf entfernt. Bei intensiver NMN-Supplementierung kann dieser Methylgruppenverbrauch messbar sein. TMG (Trimethylglycin) als direkter Methylgruppenspender kompensiert diesen Bedarf und sichert die Methylierungsbalance ab. Die Kombination NMN + TMG ist damit nicht optional, sondern biochemisch konsistent begründet.

Eine überzeugende Langzeitstrategie verbindet Lebensstil, Regeneration und gezielte Maßnahmen zu einem Ansatz, der auf Stabilität statt auf kurzfristige Effekte setzt.

Eine überzeugende Langzeitstrategie verbindet Lebensstil, Regeneration und gezielte Maßnahmen zu einem Ansatz, der auf Stabilität statt auf kurzfristige Effekte setzt.

FAQ

Häufige Fragen zu NAD⁺ und NMN

Was ist NAD⁺ und wozu braucht der Körper es?

NAD⁺ ist ein Coenzym, das in jeder menschlichen Zelle vorkommt und an über 500 enzymatischen Reaktionen beteiligt ist — Energiegewinnung, DNA-Reparatur durch PARPs, Genregulation durch Sirtuine und Kalziumsignalisierung durch CD38. Ohne ausreichend NAD⁺ arbeiten alle diese Systeme suboptimal.

Warum sinkt NAD⁺ mit dem Alter?

Drei parallele Mechanismen: erhöhter PARP-Verbrauch durch akkumulierende DNA-Schäden, altersbedingte CD38-Proliferation durch Inflammaging, und sinkende NAMPT-Aktivität im Salvage-Pathway. Das Ergebnis ist ein Rückgang von bis zu 50 % zwischen dem 20. und 60. Lebensjahr — in Blut, Muskel und Gehirn konsistent dokumentiert.

Was ist der Unterschied zwischen NAD⁺, NADH, NMN und NR?

NAD⁺ ist die oxidierte, biologisch aktive Form. NADH ist die reduzierte Form nach Elektronenübertragung. NMN ist der direkteste NAD⁺-Vorläufer im Salvage-Pathway. NR ist ein vorgelagerter Vorläufer, der erst zu NMN und dann zu NAD⁺ wird. Niacin ist der älteste bekannte Vorläufer mit anderen Nebenwirkungsprofilen.

Was sind Sirtuine und warum hängen sie von NAD⁺ ab?

Sirtuine (SIRT1–SIRT7) sind Protein-Deacetylasen, die für jede Reaktion ein Molekül NAD⁺ als Substrat verbrauchen. SIRT1 reguliert mitochondriale Biogenese, DNA-Reparatur und Entzündungsregulation. SIRT3 schützt Mitochondrien. SIRT6 ist an Telomerwartung beteiligt. Sinkende NAD⁺-Spiegel bedeuten direkt sinkende Sirtuin-Aktivität.

Was ist NAMPT und warum ist es wichtig?

NAMPT ist das geschwindigkeitsbestimmende Enzym des NAD⁺-Salvage-Pathways — über 80 % des zellulären NAD⁺ werden über diesen Weg synthetisiert. Die NAMPT-Aktivität sinkt mit dem Alter und begrenzt die NAD⁺-Synthesekapazität direkt. NAMPT ist magnesiumabhängig — Magnesiummangel limitiert NAD⁺-Synthese zusätzlich.

Warum ist NMN-Supplementierung eine Langzeitstrategie?

NAD⁺ hat keine relevanten Körperspeicher — es wird kontinuierlich verbraucht und muss kontinuierlich resynthetisiert werden. Klinisch relevante Effekte auf Gewebefunktionen erfordern konsequente Einnahme über 10–12 Wochen, wie in Humanstudien gezeigt. Unterbrechungen führen zum Rückfall auf das Ausgangsniveau — Kontinuität ist biochemisch notwendig, nicht optional.

Quellen

Zitierte Studien und Literatur

Yoshino J. et al. (2021). Nicotinamide mononucleotide increases muscle insulin sensitivity in prediabetic women. Science, 372(6547), 1224–1229. doi.org/10.1126/science.abe9985

Igarashi M. et al. (2022). Chronic nicotinamide mononucleotide supplementation elevates blood nicotinamide adenine dinucleotide levels and alters muscle function in healthy older men. NPJ Aging, 8(1), 5. doi.org/10.1038/s41514-022-00084-z

Irie J. et al. (2020). Effect of oral administration of nicotinamide mononucleotide on clinical parameters and nicotinamide metabolite levels in healthy Japanese men. Endocrine Journal, 67(2), 153–160. doi.org/10.1507/endocrj.EJ19-0313

Grozio A. et al. (2019). Slc12a8 is a nicotinamide mononucleotide transporter. Nature Metabolism, 1(1), 47–57. doi.org/10.1038/s42255-018-0009-4

Camacho-Pereira J. et al. (2016). CD38 dictates age-related NAD decline and mitochondrial dysfunction through an SIRT3-dependent mechanism. Cell Metabolism, 23(6), 1127–1139. doi.org/10.1016/j.cmet.2016.05.006

Rajman L. et al. (2018). Therapeutic potential of NAD-boosting molecules: the in vivo evidence. Cell Metabolism, 27(3), 529–547. doi.org/10.1016/j.cmet.2018.02.011

Zhu X.H. et al. (2015). In vivo NAD assay reveals the intracellular NAD contents and metabolic network in the healthy rat brain during aging. PNAS, 112(9), 2876–2881. doi.org/10.1073/pnas.1417921112

NAD⁺-Supplementierung von Minerva-Vita

Konsequent. Kontinuierlich. Klinisch fundiert.

500 mg Uthever® NMN · ≥99 % Reinheit Laborgeprüft, Charge einsehbar GMP-Herstellung · Made in Austria Ohne Zusatzstoffe 30 Tage Rückgaberecht

Vertiefende Artikel

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise. Die empfohlene Tagesdosis darf nicht überschritten werden. Außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren. Bei Schwangerschaft, Stillzeit oder der Einnahme von Medikamenten vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen.